Trau dich …

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… und handele gegen den Strom! Immer Ende November geht es wieder los, also spätestens, aber dann um so geballter, noch dazu mit ganz offiziellen Tagen. Wir werden regelrecht angefixt und oft genug erliegen wir den äußerst raffinierten Lockmitteln. Du hast jetzt jede Menge ??? im Gesicht und willst endlich wissen um was es heute geht? Prima, dann bitte hier entlang 😉

Es war einmal in Amerika…

Nein, es geht nicht um den aktuellen Präsidenten. Vor einigen Jahrzehnten ging es den Amerikanern finanziell nicht so prächtig und die üblichen vorweihnachtlichen Einkaufsorgien fielen immer kleiner aus. Die Konsumindustrie hatte daraufhin – in ihren Augen – einen genialen Einfall und rief kurzerhand den Black Friday aus. Das ist stets der Freitag nach dem amerikanischen Erntedankfest, besser bekannt als Thanksgiving Day.

11-black-fridayDieser gesetzlich Feiertag fällt in Amerika stehts auf den vorletzten Donnerstag im November, ist ein sehr traditionelles Familienfest mit Truthahn & Co. Wie bei uns auch, nutzten die meisten Amerikaner den sich anschließenden Brückentag und nehmen frei. Super, dachte sich der Einzelhandel, da starten wir dann offiziell unsere Weihnachtseinkaufssaison mit jeder Menge Rabatten und Schnäppchen. So kam es dazu, dass der sogenannte Black Friday in Amerika mittlerweile der fünftumsatzstärkste Tag des Jahres für den Einzelhandel ist. Seit es auch vermehrt Onlinehandel gibt, startet dieser Tag tatsächlich bereits um 0:00 Uhr und endet erst um 24:00 Uhr. Und ganz nach dem Motto: Der frühe Vogel fängt den Wurm, startet der Onlinehandel auch mit besonders reizvollen Schnäppchen um 0:01 Uhr! Auf das die Server glühen und die Kasse klingelt…

Aber dann, im November 2000

Es gab tatsächlich ein paar Amerikaner denen es dann doch irgendwie zu bunt wurde und sie riefen im November 2000 in San Francisco erstmals den ‘Buy-Nothing-Day’ aus. Genau am Tag des so konsumträchtigen Black Friday. Klar, anfangs eher belächelt und wenig Wirkung zeigend, hat er sich dennoch etabliert. Dieser Aktionstag findet mittlerweile seit 18 Jahren jedes Jahr statt und wird in über 60 Ländern weltweit organisiert.

Was steckt genau dahinter?

Durch den Aufruf zum 24-stündigen bewussten Konsumverzicht soll an dem Tag gegen die mitunter ausbeuterischen Produktions- und Handelsstrategien internationaler Konzerne und Finanzgruppen protestiert werden. Gleichzeitig soll er zum Nachdenken über das eigene Konsumverhalten und die weltweiten Auswirkungen anregen. Jeder Einzelne soll sich Gedanken über sein übliches Kaufverhalten machen. Der Käufer, also du und ich, soll durch den Buy-Nothing-Day dazu angeregt werden, sich über Nachhaltigkeit bei seinem Kaufverhalten bewusst Gedanken zu machen.

Ja okay, Amerika, aber wir hier?

Vielleicht sind wir noch nicht ganz so überspannt in unserem Kaufverhalten wie die Amerikaner, aber ehrlich: viel fehlt nicht mehr, wenn überhaupt noch etwas fehlt. Sorry, ist hart, aber wahr.

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Und da es auch in Deutschland doch noch den einen oder anderen wachen Kopf in Sachen Konsumverhalten gibt, wurde hier das deutsche Pendant zum Buy-Nothing-Day gegründet. Der sogenannte Kauf-nix-Tag!

Er tauchte in Deutschland irgendwann in den 2000er Jahren erstmals auf. Initiiert vom Verein ‚Narra e.V.‘ und der Konsumnetz-AG des Netzwerks Attac. Leider ist er außerhalb dieser Gruppierung hier immer noch recht unbekannt und findet daher wenig bis keine Beachtung.

 

Der Kauf-Nix-Tag in Deutschland findet dieses Jahr am 30. November 2019.

Sei dabei, handele gegen den Strom!

Gerade in der Vorweihnachtszeit verbreitet sich das Virus Konsumrausch extrem rasant und übermässig. Getreu dem Motto: Höher, schneller, weiter! Dieses Jahr toppen wir die Geschenkeliste vom Vorjahr, überbieten Onkel, Tante und Bekannte. Uns geht es finanziell gerade eigentlich nicht so gut, ach egal: Jetzt gönnen wir uns was und die Nachbarn werden Augen machen…

STOPP! STOPP! STOPP!

Auch wenn der Einzelhandel, Amazon & Co. noch so verlockende Angebote platzieren, bitte schalte dieses Jahr erst dein Hirn ein und öffne danach deine Geldbörse 😉

11-storeMach dir bewusst, dass jeder Deutsche im Jahr durchschnittlich gut 60 Kleidungsstücke kauft und Tatsache, vieles landet nach nur einmaligem Tragen für immer im Schrank oder sogar im Müll. Wenn es dann wenigstens noch in die Altkleidersammlung finden würde…

Mach dir bewusst, dass mit maßlosem Kaufverhalten nicht nur die Umwelt unnötig belastet wird, sondern dadurch auch ausbeuterische Produktions- und Handelsstrategien internationaler Konzerne und Finanzgruppen unterstützt werden.

Weniger ist mehr

11-jeansWenn wir uns alle um einem bewussten Konsum bemühen – ich strapaziere nochmals das Thema Kleidung – also z.B. Einkaufen in Secondhand-Läden oder auf Kleidertausch-Partys aktiv werden, können wir aktiv und gezielt gegen den Fast-Fashion-Trend handeln. Gleiches gilt für das Upcyceln von Kleidungsstücken oder auch mal etwas flicken, stopfen oder nähen, wenn das Kleidungsstück noch passt und ansonsten noch gut ist. Damit kann sich jeder diesem Fast-Fashion-Trend auf einfache Weise entgegen setzen. Werde auch Du Konsumbotschafter 😉

Das war jetzt nur mal ein Beispiel aus dem Kleiderschrank. Gleiches gilt auch für Haushaltsgeräte, Spielzeug für Groß (Handy & Co.) und Klein usw., usw.

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Mach dir beim Kauf und dann auch beim Gebrauch der Dinge ihre Wertigkeit bewusst.

Keine Extreme bitte!

Wenn du hier und da mal nicht sofort etwas kaufst oder bestellst, sondern dir nochmal ein paar Tage Zeit gibst und überlegst, ob du es tatsächlich brauchst, dann hast du schon einen riesen Schritt in die richtige Richtung getan. Keiner spricht davon, dass du nun in welcher Form auch immer einen Mangel erleiden sollst.

Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass ich mit dieser Methode schon so manches Stück dann nicht mehr gekauft habe oder eventuell in einer kleineren Variante usw. Mir hilft es auch immer, wenn ich mich bewusst frage, ob mich der Kauf schlussendlich bereichert oder vielleicht sogar eher belastet? Ich meine, dies ist der Grundgedanke des Minimalismus, der bewusste Umgang mit den Ressourcen in jedem Bereich.

Beispiele gefällig? Tiny-House anstelle von Penthouse-Wohung… Wiederverwendbare Einkaufstasche / -korb anstatt Plastiktüte. Selber kochen mit gesunden Zutaten, möglichst regional und bio, anstatt Fast-Food. Ja, dazu gehört auch die Currywurst an der Ecke oder die Fertigpizza.

Bewusster Konsum – Klarheit im Kopf

Wie? Jaaa, klingt vielleicht auf den ersten Blick schräg, ist aber tatsächlich so. Bei allem was du kaufst, übernimmst du Verantwortung und trägst Sorge, dass es möglichst lange hält, bloß nicht verloren geht. Du baust ein regelrechtes Abhängigkeitsverhältnis zu deinen Besitztümern auf, obwohl du ‚eigentlich‘ der Meinung bist, gerade durch sie frei, selbst bestimmt und unabhängig zu sein. Ich sage nur AUTO 😉

Bewusster Konsum und nicht alles zu kaufen was dir möglich wäre, ist sowas wie Detox für deinen Hirnkasten und deine Seele!

Du entschleunigst dadurch dein Leben, hast mehr Zeit für andere Dinge, Menschen und Interessen in deinem Leben. Mal ganz davon abgesehen, wieviel Geld du dadurch sparst, was dir noch eine andere Art von Befreiung verschafft.

Du bist skeptisch?

Dein gutes Recht, denn es ist wie beim berühmten ersten Mal auch tatsächlich aufregend, neu und unbekannt. Aber dann! 😉

Spaß bei Seite, starte einfach, zumächst in deinen eigenen Wänden, mit Dingen die du schon besitzt. Entrümpel Zimmer für Zimmer oder in noch kleineren Schritten: Pro Woche eine Ecke eines Zimmers usw. Du musst auch gar nicht alles wegwerfen, im Gegenteil, mache dir Gedanken ob du es zur Altkleidersammlung oder der Caritas geben willst. Frage dich bei jedem Teil was du in die Hand nimmst: Brauche ich das wirklich wirklich?

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Auch wenn du es jetzt nicht glaubst, einmal so begonnen, arbeitet ‚es‘ in deinem Inneren weiter. Beim nächsten Einkauf wirst du es merken und auch gedanklich wirst du wacher und entsorgst den einen oder anderen unnötigen Gedanken. Vielleicht hinterfragst du auch ‚plötzlich‘ deine Gedanken zu einer Sache oder Thema. Jetzt nicht ängstlich werden, im Gegenteil, du kannst dir gratulieren! Du bist auf dem besten Weg zu weniger ist mehr.

 

Fazit: Sobald du gegen den Strom handelst, hast du immer die Wahl! Ein geniales Gefühl, ich verspreche es! Suche dir einen Bereich in deinem Leben aus, in dem du bewusster konsumieren willst und dann starte. Bleibst du dabei, wirst du nach einiger Zeit positive Veränderungen in den unterschiedlichsten Bereichen feststellen, auch in denen, die du vermeintlich noch gar nicht aktiv verändert hast. Es ist doch einen Versuch wert und warum nicht dieses Jahr am Kauf-nix-Tag damit starten?

Ich wünsche dir eine bewusste Woche

 

Unterschrift

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